☰ Show Menu

Wie können wir annehmen was ist?


 

Wie bereits zuvor beschrieben, sind wir so programmiert, dass wir oft gegen das, was gerade in unserem Leben da ist, ankämpfen. Natürlich ist das nicht immer so, aber es kommt vor, dass wir mit der Gesamtsituation unzufrieden sind. Wir wollen immer da sein, wo wir gerade nicht sind. Wir freuen uns auf Ereignisse in der Zukunft oder erinnern uns an Dinge, die in der Vergangenheit passiert sind. Dadurch, dass wir uns selten, auch gedanklich, im Hier und Jetzt, an diesem Ort aufhalten, kann es vorkommen, dass wir uns innerlich zerrissen fühlen.

Unsere Gedanken wandern: 'wie könnte es sein…', 'wie wäre es wohl…', 'was hätte sein können…', 'was wird in Zukunft sein…', 'was will ich ändern…', 'was kann ich besser machen…', 'wie kann ich ein besserer Mensch werden…', 'wie kann ich ein schöneres Leben haben…', 'wie kann es mir noch besser gehen…'.

All diese Gedanken stiften Unruhe, stiften Unfrieden, denn sie sind Ausdruck dessen, dass wir mit dem hadern was jetzt ist und permanent auf der Suche sind, nach etwas vermeintlich besserem als dem, was jetzt gerade da ist.

Um dieses Muster zu durchbrechen, kann es hilfreich sein, zunächst einmal inne zu halten und wahrzunehmen, was genau jetzt da ist und Frieden zu schließen mit all dem, was uns dort hin geführt hat, wo wir genau jetzt sind.

Dazu folgende Übung: Atme einige Male tief durch und komme vollständig ins Hier und Jetzt. Mache dir bewusst, dass all das, was wir erleben, in unserem Inneren, wie auch im Äußeren, genauso ist wie es sein soll. Lass all das da sein, was da sein möchte. All die Emotionen, die du genau jetzt fühlst, in diesem Moment, sind genau die Emotionen, die da sein sollen und wollen. Sie wollen anerkannt werden, sie wollen gesehen werden, sie wollen da sein. Sie wollen, dass wir uns ihnen zuwenden, genau jetzt. Schau hin, was deine Emotionen machen.

Versuche aus einem Blickwinkel zu schauen, als wenn du ein neutraler Beobachter wärest. Stell dir vor, wie du dich neben dich stellst und dich selber dabei beobachtest, welche Gedanken oder Emotionen aufkommen, ohne zu urteilen. Du bist nur Beobachter.

Stelle dir vor, dass deine Rolle genau darin besteht, wie ein Besucher in einem Theaterstück dir all das anzuschauen, was auf der Bühne vor sich geht. Allerdings bist du kein böser Kritiker, der das Stück verreißt, oder in den Himmel hoch jauchzend hinaus lobt, nein, du bist neutral. Du schaust einfach zu.

Es bedarf sehr viel Übung, einfach nur Zuschauer zu sein. Denn sehr leicht fallen wir in die Muster zurück und urteilen. Wir sind sehr geprägt von unserem Wertesystem, alles einzuordnen in die Schubladen, Gut oder Schlecht. Vielleicht wirst du dich dabei erwischen, immer wieder zu urteilen und vielleicht wirst du dein Urteilen verurteilen. Vielleicht kommst du irgendwann an einen Punkt, an dem du sagst, na dann ist es eben schlecht, dann lass es doch einfach schlecht sein. Na, dann bin ich eben so, wie ich bin.

Wenn wir an diesem Punkt sind, beginnen wir ehrlich mit uns zu sein. Und ehrlich mit uns selbst zu sein, bedarf sehr viel Übung und Training und immer wieder in diese Beobachter-Rolle zu gehen und aus der Be- und Verurteilung auszusteigen, aus beiden Richtungen auszusteigen, weder Dinge für Gut noch für Schlecht zu halten, sondern wirklich nur Dinge neutral zu beobachten.

Es geht darum, Erfahrungen zu machen. Erfahrungen sind nicht gut oder schlecht, Erfahrungen sind einfach Erfahrungen.

Wenn du magst, dann gib deinen Emotionen, Gefühlen oder auch körperlichen Beschwerden eine Stimme, damit sie dir sagen, was sie von dir wollen und warum sie gerade jetzt da sind, oder lass sie einfach da sein und beobachte sie. Jede Situation in unserem Leben ist genauso, wie wir sie brauchen. Je mehr wir aus der Wertung austreten und die Beobachter-Rolle einnehmen, desto leichter ist es, Zusammenhänge zu erkennen und den Sinn zu verstehen. Wir erkennen, dass Ereignisse, die scheinbar zufällig in unser Leben kommen, ganz und gar nicht zufällig sind, sondern genau dorthin gehören, wo wir sie sehen und erfahren.

Solange wir werten, solange wir urteilen, unterdrücken wir das, was wir wirklich denken, weil unser Wertesystem es nicht zulässt. Um uns also wirklich selbst zu erfahren, zu erleben, ist es wichtig, aus dem Wertesystem auszusteigen und all das was kommt erst einmal da sein zu lassen und wertfrei zu beobachten. Das ist einer der ersten Schritte zu uns selbst.

Es folgt dann später, daraus für sich selber ein Barometer zu entwickeln und gewisse Regelmäßigkeiten abzuleiten. Z.B. in der folgenden Form: immer wenn ich Nackenschmerzen habe, dann weiß ich, mir sitzt irgendeine Angst im Nacken. Also schaue ich mir an, woher die Angst kommt, versuche sie zu verstehen, ihr dadurch den Schrecken zu nehmen und sie aufzulösen, damit mein Schmerzbarometer wieder auf Null geht.

 

Zur Homepage

Zum Seitenanfang