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Rückschläge


 

Wer kennt sie nicht, die Rückschläge? Man glaubt, Themen gelöst zu haben und plötzlich trifft uns die volle Breitseite erneut. Wir zweifeln und fragen uns, was wir versäumt haben, um die Dinge in unserem Leben zu lösen, die Schmerz, Enttäuschung, Verletzung, Verzweiflung, Aussichtlosigkeit und dergleichen hervor rufen.

Ich beginne wieder bei null, so scheint es. Doch irgendwann folgt ein Tag, an dem es auch wieder besser geht. Dann merke ich, dass sich doch etwas verändert hat. Ich nehme die Kleinigkeiten wahr, die sich durch diese erneuten Rückschläge zeigen. Plötzlich ist ein Einblick da, den ich vorher nicht wahrgenommen habe.

Es geht nicht darum, Herausforderungen zu vermeiden. Das wird uns im Verlaufe des Lebens wohl eher nicht gelingen. Es geht darum, wie wir mit den Herausforderungen umgehen. Können wir das anwenden, was wir gelernt haben? Oder war das, was wir gelernt haben nur eine Momentaufnahme? Haben wir wirklich verinnerlicht, was wir glaubten, gelernt zu haben?

Manchmal lese ich etwas, was eine starke Wirkung auf mich hat, eine tiefe Wahrheit in mir anspricht und ich glaube, ich hätte etwas begriffen, das würde ich jetzt nie mehr wieder vergessen. Aber irgendwie greift der Schleier des Vergessens dann doch und eine neue Situation im Leben haut mich dann doch wieder um. Eigentlich weiß ich doch, dass ich nicht leiden muss, aber es nützt nichts. Das Leben bietet mir wieder und wieder die Möglichkeit, das Gelernte nicht nur theoretisch verstanden zu haben, sondern immer und immer wieder auf die Anwendung zu pochen. Tue ich das nicht, dann leide ich.

Für viele von uns ist Leid ein Motor, den wir nicht ignorieren können. Leid ist das worauf wir reagieren müssen, wir können es nicht dauerhaft verdrängen.

Es gibt diese Affirmation ‚ich erlaube mir jetzt, durch Spaß und Freude zu lernen und nicht mehr durch Leid'. Allerdings funktioniert diese Affirmation bei mir nur bedingt. Um dorthin zu kommen kann es bedeuten, erst einmal immer wieder auf eine neue Herausforderung des Lebens mit Leid zu reagieren.

Es macht keinen Sinn, das Leid zu verdrängen, oder so zu tun, als sei es nicht da. Ich muss mich dem immer wieder stellen. Das Leben ist ein Trainingsplatz. Das, was ich gelernt habe, darf ich wieder und wieder in der Praxis anwenden, solange, bis ich etwas anders mache und nicht mehr mit Leid reagiere. Eine einfache Erkenntnis reicht oft nicht aus. Es geht darum, wieder und wieder einen weiteren Teil der Lösung zu leben und zu stabilisieren.

Das Leben ist multidimensional. Es gibt nicht die eine Lösung für alles. Es gibt unendlich viele Lösungen für unendlich viele Sichtweisen auf ein und die gleiche Aufgabenstellung.

Auch wenn wir manchmal das Gefühl haben, wir drehen uns im Kreis, wir kommen nicht weiter und wir stehen wieder vor dem Problem, welches wir bereits gelöst wähnten, irgendetwas wird anders sein. Teilaspekte haben sich gelöst, Herausforderungen ein klein wenig verändert.

Wenn ich zurück blicke und schaue, was ich bereits gelöst habe, dann ist das immens viel. Nur oft ist es so, dass ich in schwierigen Situationen nicht den Blick dafür habe. Mein Blick geht dann schon mal in die Verzweiflung, in die scheinbar unlösbare Aufgabe, die vor mir liegt. Ich erinnere mich in dem Moment nicht an das, was ich eigentlich schon weiß. Wenn mich dann ein Freund oder eine Freundin an die Lösung erinnert, dann muss ich manchmal schmunzeln, dass ich selber nicht darauf gekommen bin. Oder ich frage mich, wie es passieren konnte, dass ich das schon wieder vergessen hatte.

Aber, darum sind wir wahrscheinlich hier, um uns unsere Aufgaben von allen möglichen Seiten anzusehen, sie in allen möglichen Zusammenhängen zu lösen, sich mit den unterschiedlichsten Gegebenheiten auseinander zu setzen.
Auch wenn ich das Gefühl habe, nichts erreicht zu haben, so ist doch irgendetwas anders. Tagen der Verzweiflung folgen Tage der Zuversicht. Trüben Tagen folgen klare Tage. Manchmal ist es leicht, eine Verbindung zu meiner inneren Stimme und der geistigen Welt aufrecht zu erhalten, manchmal sind die Kanäle verschüttet.

Auch in Zeiten der Unklarheit gilt es, sich an das zu erinnern, was an klaren Tagen an Information vorhanden war. Ich stelle mir das wie eine Prüfung vor. Gelingt es mir, zu mir selber zu finden, auch wenn ich völlig auf mich allein gestellt bin, wenn ich scheinbar keine Unterstützung erhalte, oder wenn keine klare Verbindung besteht?

Es ist wie eine Meditation inmitten von Großstadtlärm. Die Herausforderung besteht darin, trotz Krachmachern, wie Laubbläsern, Flugzeugen, Autos, oder dergleichen, uns auf uns selber zu besinnen. Gelingt es uns dann, die innere Stille zu finden? Gelingt es uns, trotz all der Ablenkungen und Störungen den Kern unseres eigenen Wesens aufzuspüren?

Das ist eine der großen Herausforderungen auf diesem Planeten. Inmitten von Chaos und Lärm die Stille zu finden, den Blick nach innen zu richten.

Wenn wir also manchmal Tage haben, an denen wir zu verzweifeln drohen, dann mag es hilfreich sein, zu wissen, dass auch diese Tage wertvoll sind und uns mehr zu uns selber bringen, nur eben mit erheblich größeren Herausforderungen als uns das in dem Moment vielleicht bewusst lieb wäre.

Loslassen, loslassen, loslassen. Die alten Programmierungen und Manipulationen sind stark und sie wirken permanent auf uns ein. Sie sind permanentes Training. Es ist erlaubt, zu verzweifeln, denn auch das will erfahren werden. Es ist erlaubt, Ausweglosigkeit zu spüren. Öffnen wir uns dem, was da ist, in jedem Moment. Nichts ist vergeblich, alles hat seinen Platz und seinen Sinn.

Trüben Tagen folgen klare Tage, manchmal ist es eben eine Frage der Zeit. Trübe Tage sind solche, an denen wir leicht vergessen, an klaren Tagen erinnern wir uns und das macht es sehr viel leichter, mit unseren Herausforderungen umzugehen.

 

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