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Konditionierung


 

Wenn es darum geht, herauszufinden was wir loslassen können, um zu uns selbst zu finden, dann sollte eine Betrachtung unserer Konditionierungen nicht fehlen.

Der russische Forscher Pawlow war Entdecker des Prinzips der klassischen Konditionierung. Dort geht es darum, einem natürlichen meist angeborenen Reflex durch Lernen einen neuen bedingten Reflex hinzuzufügen.

Konkret hat er Versuche mit Hunden gemacht. Der Speichelfluss wurde gemessen, wenn der Hund sein Fressen zugeschoben bekam (natürlicher, angeborener Reflex). Das wurde dann mit dem Läuten einer Glocke kombiniert (=Lernen). Als später nur noch die Glocke geläutet wurde, lief der Speichel im gleichen Masse, obwohl es kein Fressen gab (neuer, bedingter Reflex abhängig von der Glocke).

Wenn wir diese Konditionierung auf uns Menschen übertragen, dann sollten wir schauen, wo bildlich gesehen Glocken in unserem Leben Reaktionen hervor rufen, die mit dem ursprünglichen Ereignis gar nichts mehr zu tun haben. Wenn wir das erkennen, können wir eine bewusste Entscheidung treffen. Wir erlangen dadurch ein Stück weit mehr Selbstbestimmung und entledigen uns der Fremdsteuerung.

Ein ähnliches Experiment zur Konditionierung wurde mit Fischen gemacht: In einem Aquarium wurden zu einem Hecht einige kleine Fische hinzugefügt, die er alle verspeiste. Dann wurde eine Plexiglasscheibe in die Mitte gebracht, der Hecht auf der einen, die kleinen Fische auf der anderen Seite. Aus ihrem angeborenen Instinkt heraus, schwammen die kleinen Fische in die unterste Ecke, um möglichst weit vom Hecht entfernt zu sein. Der Hecht hingegen schwamm wieder und wieder gegen die Scheibe, weil er die Fische fressen wollte.

Nach einiger Zeit hatten alle Tiere gelernt: Der Hecht hörte auf, sich die Nase einzuhauen und die kleinen Fische schwammen in ihrer gesamten Hälfte, in der sie sicher waren. Dann wurde unbemerkt die Scheibe entfernt. Was passierte?

Der Hecht blieb auf seiner Seite und die kleinen Fische auf ihrer. Keiner hatte bemerkt, dass sich etwas verändert hatte.

Übertragen auf uns Menschen gilt also auch, die Begrenzungen, die irgendwann da waren und ggf. auch gut und wichtig waren, neu zu evaluieren. Gibt es imaginäre Grenzen, die gar nicht mehr da sind und die uns zurück halten, unser Potential zu leben?

Derartige Grenzen könnten wir außerdem auch aus vorigen Generationen übernommen haben, wie ein weiteres Beispiel aus der Tierwelt zeigt: Nach dem Fall der innerdeutschen Mauer findet auch 25 Jahre danach kein Wildwechsel statt, obwohl die Tiere bereits in Folgegenerationen geboren werden. Auch wir Menschen übernehmen Gewohnheiten und Programme unserer Vorfahren, bei denen wir von Zeit zu Zeit evaluieren sollten, ob sie uns noch zuträglich sind.
Schauen wir also, wo wir programmiert sind und befreien uns von der Konditionierung. Lassen wir die Programme los, die wir nicht mehr brauchen. Bewegen wir uns über längst nicht mehr vorhandene Grenzen hinweg.

Wie machen wir das? Anthony de Mello meint dazu: "Reines Bewusst-Sein wird den Tod all dessen begründen, was ungesund ist und das Wachstum dessen begründen, was gut und heilig ist. Zustimmung und Ablehnung werden nicht benötigt, um dein Leben und deine Aktionen neu zu gestalten. Bewusst-Sein allein wird heilen."

Die bewusste Wahrnehmung unserer imaginären Grenzen hilft uns also, diese zu überwinden.

 

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