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Friedhof der Märzgefallenen


 

Ein anderes Erlebnis hatte ich im letzten Jahr, als ich eines Nachmittags in den Park radelte, kein festes Ziel hatte, sondern mich treiben ließ. Ich landete an einer Stelle im Berliner Volkspark Friedrichshain, dir mir zuvor nie sonderlich aufgefallen war.

Dort befand sich ein begehbarer Container mit einer Ausstellung. Ich fühlte mich dort hingezogen und beschloss mir die Sache näher anzusehen. An den Wänden hingen Dokumentationen und Informationen zu den Revolutionen in Berlin von 1848.

Als ich las, welche Forderungen die Menschen damals hatten, fiel mir die Kinnlade runter, denn ich hatte für einen Moment das Gefühl, ich befinde mich mit dem, was ich dort lese in der Gegenwart. Die wollten z.B. Pressefreiheit, Gerechtigkeit, oder Gleichheit. Ist das nicht genau das, wofür wir uns auch heute wieder einsetzen?

Mir wurde in dem Moment schlagartig klar, dass die Geschichte sich im Kreis dreht. Wieder und wieder landen wir an einer Stelle in der Geschichte, an der die Menschen Freiheit fordern, dafür kämpfen und einige dafür ihr Leben geben. Die Details verändern sich im Laufe der Zeit, aber das Grundmodell bleibt.

Als ich den Container verließ, betrat ich das Gelände, welches als Friedhof der Märzgefallenen ausgewiesen ist. Dort sind einige der meist jungen Männer begraben, die 1848 in den Barrikadenkämpfen von Berlin ihr Leben ließen. Von den Gräbern war nicht viel zu sehen, denn die Zeit hatte Erdschichten hinüber getragen. Jedoch waren kurz vor diesem Tag einige wenige Gräber freigelegt worden, so dass die Gedenktafeln mit den Namen der Gefallenen sichtbar waren, die ich später im Internet auf der vollständigen Liste der dort begrabenen Revolutionäre von 1848 auch wiederfand.

Noch an der Gedenkstätte, die eine tiefe Betroffenheit und Verbundenheit in mir auslöste, fand ich in einem Moment der Stille die Verbindung zu den Seelen der Verstorbenen. Mein Herz zog sich in tiefer Anteilnahme zusammen und folgende Botschaft ging mit durch den Kopf: "Niemand muss mehr für die Freiheit sterben, niemand." Es war, als wenn die Toten zu mir sprechen, sie teilten mir mit, dass dieser Irrsinn ein Ende haben muss. Die Botschaft für mich war: "Wie oft soll sich die Geschichte noch wiederholen? Wie oft sollen Menschen aufeinander gehetzt werden, so dass sie sich gegenseitig das Leben nehmen?"

Vor diesem Erlebnis auf dem Friedhof fühlte ich mich von Zeit zu Zeit als Revolutionskämpferin. Ich stellte mir vor, wie ich diesen Planeten befreie und wie ich aus edlen Motiven diesen Freiheitskampf bestritt. Es gab Momente, in denen hatte ich das Gefühl, mein Leben für die Freiheit geben zu wollen, wenn es denn hätte sein müssen.

Wahrscheinlich eine unterbewusste Erinnerung an frühere Leben, in denen ich genau das tat, oder vielleicht auch die Wirkung von auf ewig geleisteten Fahneneiden aus anderen Leben, die zu dem Zeitpunkt noch nicht gelöscht waren.
Jedenfalls habe ich seit dem Erlebnis auf dem Friedhof keine Lust mehr, Freiheitskämpfer zu sein, oder für falsche Ideale zu sterben. Ich wünsche mir Frieden. Ich möchte aufhören, das Freiheitskampf-Tod-Spiel zu spielen. Ich wünsche mir Frieden in mir selbst, Frieden mit mir selbst, Frieden mit meiner Vergangenheit und Frieden in meinen anderen Leben.

Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, den Wandel im Bewusstsein vieler Menschen zu vollziehen und eine endgültige Befreiung anzustreben. Diesmal jedoch nicht in Form von Kampf, Aggression, Wut und dergleichen, sondern durch Erkennen, durch Wahrheit und durch Auflösung der Lüge.

Befreien wir uns aus dem ewigen Rad der Geschichte, die sich immer wiederholt. Verändern wir unser Verhalten, indem wir die friedliche Revolution in den Köpfen der Menschen hervorrufen, in uns selber, in jedem Einzelnen von uns. Steigen wir bewusst aus diesem Spiel aus.

Wo befinden sich die eigentlichen Ketten unserer Unfreiheit? In unserem Denken, in dem, was uns beigebracht wurde, in unseren Glaubenssätzen, die dieses System aufrechthalten, in dem, was wir durch unser Bewusstsein erschaffen. Wir stecken voller Programmierungen, Manipulierungen und falscher Wertesysteme, die uns nicht erkennen lassen, wer wir wirklich sind und wie wir selber diejenigen sind, die sich gegenseitig in der Unfreiheit festhalten.

Wenn wir aussteigen wollen, dann nicht, indem wir für falsche Werte unser Leben lassen, sondern indem wir loslassen. Indem wir all das loslassen, was man uns beigebracht hat, was wir eben nicht sind. Loslassen können wir aber nur, wenn wir hinschauen und wissen, dass wir manipuliert sind. Dadurch, dass wir mehr und mehr erkennen, wie und wo wir Spielball sind, haben wir die Möglichkeit, uns zu entziehen.

Das System hat viele Werkzeuge, die unfrei machen. Allen voran, wurde das Geld mit Zins- und Zinseszins eingeführt. Geld ist eng mit Arbeit verknüpft, beides zusammen macht uns zu Sklaven. Viele von uns können sich nicht vorstellen, dass es Gesellschaftsformen ohne Geld geben kann, in der Arbeit eine völlig andere Bedeutung hat. Alternativlosigkeit wird uns vorgegaukelt.

Solange wir uns innerhalb des bestehenden Systems bewegen und dort nach Lösungen suchen, scheint es keine Alternativen zu geben. Und genau das ist gewollt, Lösungen eben nicht zu sehen. Daher wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass wir uns nicht aus diesem System befreien können, dass wir nicht über den Horizont blicken können, dass wir nicht dorthin schauen können, wo die Lösungen sich befinden.

Die Lösungen sind vorhanden, sie werden auf anderen Planeten in anderen Kulturen gelebt. Hätten wir Zugang zu uns wohlgesonnenen Wesen aus dieser oder anderen Galaxien, dann wäre es sicher ein Leichtes, uns Vorschläge zu funktionierenden Alternativen machen zu lassen und diese auch umzusetzen.

Aber dieser Zugang wird uns verwehrt. Also müssen wir selber schauen, dass wir uns zunächst einmal aus dem bestehenden System befreien. Wie können wir uns befreien? Indem wir mehr und mehr erkennen durch welche subtilen Mechanismen wir im System festgehalten werden und uns dem entziehen.

Dieser Text und die Beispiele in diesem Buch sollen dazu beitragen, dass sich der ein oder andere einfach Gedanken macht und die Wahrnehmung verändert. Aus unserem Bewusstsein heraus entsteht, was sich uns im Äußeren zeigt. Wenn wir also Veränderung im Äußeren wollen, dann erreichen wir das durch den Wandel in unserem Bewusstsein.

Es kann sein, dass daraus Konflikte entstehen, es kann sein, dass wir uns für unsere Ziele einsetzen müssen. All das nennt sich Leben und das Leben hört ja dann nicht auf. Wir machen weiter die Erfahrungen, die wir brauchen, um das zu lernen, wozu wir hier auf diesen Planeten gekommen sind.

Nur ist es an der Zeit, diese Erfahrungen dahingehend zu verändern, sich aus den Fesseln der Manipulation zu befreien und mehr und mehr herauszufinden, wer wir wirklich sind und warum wir wirklich hier sind. Es ist an der Zeit, Licht in die Dunkelheit zu bringen, die wir über so viele Jahrtausende erlebt haben. Das ist der Zeitgeist, den wir nun erleben dürfen.

 

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