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Falsches Licht


 

Als es in einem Seminar für mich darum ging, mich für das Licht oder den Schatten zu entscheiden, da dachte ich, es ist gar keine Frage, natürlich entscheide ich mich für das Licht. Aber so einfach war es nicht.

Es lagen zwei Zettel umgedreht auf dem Boden, mit der Schrift nach unten. Auf dem einen stand das Wort ‚Licht' und auf dem anderen das Wort ‚Schatten'. Die Übung bestand darin, zu spüren, in welche Richtung es zieht und wohin man gehen will.

Ich bewegte mich also in Richtung des Zettels, zu dem es mich hin zog, stellte mich in die Energie und spürte hinein. Eigentlich wäre die Übung an dieser Stelle bereits zu Ende gewesen, aber ich hatte es anders verstanden. Statt abzubrechen, stieg ich aus der einen Energie wieder aus und bewegte mich auf den anderen Zettel zu, mit der Absicht, zu fühlen, was mich auf dieser Seite erwartete. Ich wollte vergleichen und die Unterschiede zwischen Licht und Schatten spüren.

Es war für mich schwer, eine Entscheidung zu treffen, denn beide Seiten fühlten sich angenehm an und beide Seiten hatten ihren Reiz, auf ihre ganz eigene Weise. Was letztendlich den Ausschlag für meine Entscheidung gab, war das Gefühl des Vertrauten. Ich kannte diese zweite Seite sehr gut und fühlte mich dort sicherer. Ich hielt am Gewohnten fest, ich entschied mich für den Schatten, denn das Licht kannte ich nicht.

Wir Menschen leben in der Dualität, wir tragen sowohl Licht als auch Schatten in uns, bei unterschiedlichen Menschen in unterschiedlichen Ausprägungen, der eine trägt mehr Licht, der andere mehr Schatten und es ist keine starre, sondern eine bewegliche Grenze. Bevor ich mich für das Licht entscheiden konnte, galt es zu schauen, was mich daran hinderte das Licht kennen lernen zu wollen.

Zunächst einmal war mir das Licht nicht geheuer, denn mein Bild von Menschen, die als lichtvoll galten, gefiel mir nicht. Es gefiel mir aber nur deshalb nicht, weil es ein falsches Licht war, welches diese Menschen ausstrahlten und ich hatte es irrtümlich für das wahre Licht gehalten.

Was ist mit diesem falschen Licht gemeint?

Dazu ein Beispiel. Die Indianer Amerikas galten als sehr naturverbunden, bevor die weißen Eroberer ihre Kultur zerstörten und ihr Land raubten. Sie waren mit Mutter Erde und Gottvater, dem Kosmos verbunden, sie lebten im Einklang mit dem Spirit, dem alles erfüllenden Geist des Seins.

Die Inkas und Majas waren hoch entwickelte Völker mit außergewöhnlichen spirituellen Fähigkeiten.
Nun kamen die Eroberer und im Namen Gottes wurde diesen Menschen eine andere Religion, eine andere Lebensweise aufgedrängt. Ihnen wurde verboten, so zu sein, wie sie sind. Sie hatten sich einem fremden Gott unterzuordnen, dem Gott der Eroberer.

Den Indianern wird untersagt, ihre Kultur zu leben, ihre Spiritualität zu leben. Für sie ist es nicht verständlich, dass man Land besitzen kann, dass man die Erde, die Luft oder das Wasser kaufen oder verkaufen kann.
Eine völlig andere Denkweise, eine völlig andere Lebenskultur überrollt die Sensibilität, die Spiritualität, die Kultur der Indianer. Wie denken die Eroberer darüber? Sie halten sich für gute Menschen, denn sie handeln im Namen Gottes. Sie befolgen die Regeln ihrer Religion und sind damit fromme Menschen.

Was tun sie wirklich?

Sie befolgen Regeln. Sie befolgen die Gebote. Sie ordnen sich den Regeln des Systems unter, sind devot und fromm. Gute, systemkonforme Menschen. Allerdings völlig abgeschnitten von ihrer Urteilskraft, von ihrem inneren Verständnis, von der Stimme ihres eigenen Herzens. Denn sie sind getrennt, von ihrer eigenen Göttlichkeit, von der Natur, von der Spiritualität, von dem, was uns alle verbindet.

Indigene Völker besitzen aus ihrer Kultur heraus diese Verbindung mit dem Leben, mit der Kraft der Natur, mit der inneren göttlichen Essenz. Genau das ist den sogenannten zivilisierten Menschen verloren gegangen.

Wenn sie Gutes tun, dann aus einer eher krankhaft devoten Haltung heraus, aus einer Unterordnung heraus. Unter was ordnen sie sich? Unter einen außen stehenden Gott? Sie ordnen sich dem System unter, welches durch Religion und das Bild eines strafenden Donnergottes repräsentiert wird und sich somit wiederum selber aufrechterhält.

Wenn wir also aufgrund von Vorgaben und Regeln Gutes tun, dann sind das immer Vorgaben von außen. Was von außen kommt, ist aber Teil des Systems. Wir glauben, ein guter Mensch zu sein, wenn wir aus diesen Motiven Gutes tun. Aber was machen wir wirklich? Wir ordnen uns dem System unter und bekunden, gute Systembürger zu sein.

Wir hören also nicht auf unsere innere Stimme, wir gehen nicht in unser Herz, wir suchen nicht die spirituelle Verbindung mit der göttlichen Essenz, stattdessen befolgen wir die Regeln des Systems. Ein System, welches die Lebensweise indigener Völker unterbindet, sie ausrottet, sie nicht zulassen kann, weil sie eine Gefahr für die Aufrechterhaltung des Systems sind.

Denn die Menschen, die in ihre eigene göttliche Essenz gehen, sind die, die sich für das Licht entscheiden, für das wahre Licht und damit der Dunkelheit keinen Raum lassen. Und das lässt das System nicht zu, denn das System braucht Dunkelheit, sonst kann es nicht bestehen.

Ich wollte mich also nicht für das Licht entscheiden, weil ich dachte, ich müsse dann devot, fromm und brav sein. Das wollte ich aber nicht, ich wollte Regeln brechen, ich wollte meinen eigenen Weg gehen, ich wollte Abenteuer erleben. Ich glaubte, all das im Licht nicht mehr machen zu können, denn ich dachte, dort sei es langweilig, weil ich dachte, das Licht ist das System. Ist es aber nicht.

Im Gegenteil, Licht bedeutet, so zu sein, wie man wirklich ist, sich eben nicht an die Regeln des Systems zu halten, das zu tun, was die innere Stimme rät, auch wenn es gegen alle Regeln verstößt, denn es verstößt nicht gegen die Regeln des Lichts, sondern gegen die Regeln des Systems und damit gegen die Regeln der Dunkelheit.

Das System hält uns davon ab, die Schönheit des Lichtes zu entdecken. Wir kennen das Licht nicht. Das System gibt uns häufig scheinbares Licht, welches subtil mit Dunkelheit unterwandert ist. Somit haben wir gar keine Chance, uns mit dem Licht vertraut zu machen.

Das Licht ist aber alles andere als langweilig. Es ist faszinierend, es ist anregend, es ist herausfordernd und es ist Erfüllung. Wie finden wir heraus, ob es sich um wahres Licht handelt? Unser Wegweiser ist unser Herz. Unser Herz kennt die Wahrheit, unser Herz kennt das Licht.

Schauen wir auf die Bräuche und Kulturen der indigenen Völker. Verbinden wir uns wieder mit der Natur, mit der wahren Essenz unseres Seins.

Ein weiteres Beispiel für falsches Licht ist der Begriff Hoffnung. Hoffnung klingt zunächst lichtvoll, aber was passiert wirklich, wenn wir uns der Hoffnung hingeben?

Wir warten auf etwas, wir rauben uns daher selber die Handlungsfähigkeit. Als den Menschen die Büchse der Pandora übergeben wurde, enthielt diese die Übel dieser Welt. Hoffnung galt als weiterer Bestandteil, um die übrigen ertragen zu können, allerdings ist dies wohl eher ein Beleg für falsches Licht, denn Hoffnung ist einfach nur ein weiterer Bestandteil des Übels.

Hoffnung führt dazu, dass wir unsere eigene Macht weg geben. Wir vertrauen nicht darauf, eine Lösung zu finden, sondern warten auf ein Wunder von außen. Natürlich kann es immer Hilfe von außen geben und wir bekommen auch permanent Unterstützung. Jedoch ist es kraftvoller und machtvoller, zu vertrauen, oder gar zu bitten, anstatt zu hoffen.

So werden in diesem System oft Parolen ausgegeben, auf Besserung zu hoffen, auf Rettung zu hoffen. Es ist ein Instrument der Ruhigstellung, der Lähmung. Die Hoffnung gilt als übelstes aller Übel, da sie die Qual der Menschen verlängert.

Wo finden wir weiter falsches Licht?

Religion, wenn sie als Dogma gelebt wird. Allerdings möchte ich die Religion an sich nicht verurteilen. Die meisten Menschen handeln in guter Absicht und viele bringen wahres Licht dort hinein. Es ist die Struktur, der Machtapparat, der dem übergeordnet ist, der Dunkelheit hinein bringt. Es ist außerdem die Unterdrückung der Weiblichkeit, oder die Unterdrückung der Sexualität, was mir persönlich einfach seltsam erscheint, aber das soll natürlich jeder für sich selber entscheiden.

Nun ist es so, dass sich viele Menschen von der Religion abgewandt haben, weil sie z.B. nicht mehr zeitgemäß erscheint. Wir Menschen tendieren aber dazu, dennoch Vorgaben zu benötigen, an die wir uns halten können, Werte, die uns den Weg weisen. Daher ist der Hype um die New Age Bewegung zu erklären. Die Menschen, die sich nicht mit Religion identifizieren möchten, schließen sich z.B. spirituellen Führern an, suchen Gurus, die ihnen den Weg weisen, suchen nach Alternativen.

Das System ist sehr wohl darauf vorbereitet und unterstützt diese Bewegungen durchaus. Denn die Menschen haben das Gefühl, aus dem alten System ausgebrochen zu sein und Freiheit gefunden zu haben. Doch was verbirgt sich hinter diesen neuen Bewegungen? Unterordnung unter Autoritäten, Götzenanbetung, Vorgabe von Werten, Hoffnung, falsche Freiheit, Manipulation und so weiter und so weiter … all das, was sich auch im System wiederfindet.

Wir haben also wieder ein System im System geschaffen, das nichts anders tut, als das System aufrecht zu erhalten und die Menschen im Glauben lässt, sich befreit zu haben.

Was ist also wahres Licht?

Ich kenne die Antwort nicht. Ich weiß nur, dass es sich gut anfühlte, als ich in der Energie stand. Wir tragen es in uns. Wir tragen Licht und Schatten in uns. Es ist an uns, zu entdecken, was das wahre Licht ausmacht. Aber auch unsere Schattenseiten haben ihren Reiz und letztendlich geht es darum, beides kennen zu lernen, beide Erfahrungen zu machen. Das Spiel mit Licht und Schatten anzunehmen und es mit Freude und Begeisterung, Neugierde und Entdeckerlust einfach nur zu spielen. Aber machen wir uns auch bewusst, was Licht eben nicht ist.

Dein Herz kennt deinen Weg, dein Herz kennt die Wahrheit, dein Herz erlebt das Leben auf einer anderen Ebene. Höre auf dein Herz.

 

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