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Dunkelheit


 

Vor einiger Zeit machte ich bei schamanischen Trommelreisen mit. Es handelt sich um eine Art geführte Meditation, die von einer Trommel begleitet wird. Der Trommelschlag führt dazu, dass eine tiefere Ebene in unserem Unterbewusstsein angesprochen wird.

Auf einer dieser Reisen hatte ich folgendes Erlebnis: Ich war in einem anderen Leben. Dort war ich ein indianischer Mann und lebte in einem Zelt-Dorf, zusammen mit meinem Volk. Ich war sehr selbstbewusst, zuversichtlich und voller Vertrauen. Etwas lag in der Luft, wir bereiteten uns auf eine Auseinandersetzung vor, es war klar, wir würden in einen Kampf ziehen und es gab keinen Zweifel, dass wir Erfolg haben würden.

Doch was dann auf uns zu kam war etwas, womit niemand von uns gerechnet hatte. Es war eine riesige dunkle Wolke, die immer größer wurde und alles verschlang. Mir blieb nichts anders übrig, als ungläubig das zu betrachten, was uns da mit voller Macht überrannte. Es war die pure Dunkelheit, die unser bisheriges Leben komplett auslöschte. Niemand hatte sich vorher etwas Derartiges vorstellen können. Das war das Ende der Reise und ich kam zurück.

Ich weiß also nicht, wie sich die Dunkelheit weiter angefühlt hatte, oder welche Erlebnisse sie bereit hielt, alles woran ich mich erinnern konnte, war das Leben vor der großen Dunkelheit und dass sie uns überrascht hatte, größer und mächtiger war, als es in unserer Vorstellungskraft möglich gewesen wäre.

Diese Trommelreise kam mir wieder in den Sinn, da ich vor kurzem auf Geschichten heutiger Indianer in Amerika gestoßen bin. Was diesen Völkern zugestoßen ist, erscheint so sinnbildlich für diesen Planeten. Menschen, die in Einklang mit Natur und dem Leben an sich waren, wurden ausgerottet und vertrieben. Ihr Lebensraum völlig zerstört. So, wie in meiner Reise die dunkle Wolke alles überrannte.

Welchen Grund kann es haben, dass wir als Menschen in eine solche Umgebung inkarnieren? Zweifelsfrei eine große Herausforderung, wenn man all den Schmerz, die Unterdrückung, die Trennung betrachtet. Und dennoch wollen wir wissen, was Dunkelheit ist. Wir wollen herausfinden, was sich dahinter verbirgt. Wir wollen die Dunkelheit kennen lernen.

Wir tragen Licht und Schatten in uns und es liegt an uns, welchen Teil wir ausleben wollen. Aber was ist Licht und was ist Schatten? Beides fühlt sich zunächst, aus rein energetischer Sicht betrachtet, erstmal interessant an. Es ist nicht so, dass das eine besser ist als das andere. Anders eben, ohne Wertung. Beides sind interessante Erfahrungen. Mir fällt es schwer, eine Trennlinie zu ziehen und zu bewerten, das ist hell oder das ist dunkel. Zu sehr werden wir getäuscht und können nicht immer gleich beurteilen, auf welcher Seite ein Ereignis einzuordnen ist.

Vielleicht müssen wir aber auch gar nicht einordnen. Vielleicht reicht es, einfach nur daraus zu lernen. Ich glaube, einer der Gründe, warum wir auf einem Planeten inkarniert haben, auf dem die Dunkelheit vorherrscht, liegt in dem großen Potential, sie durch und durch kennen zu lernen.

Wer in dieser Umgebung, unter diesen Umständen tiefen Frieden findet und Wahrheit erkennt, in diesem bizarren Spiel, der hat viel gelernt.

Sehr leicht lasse ich mich immer wieder auf die Spiele der Dunkelheit ein, lasse mich provozieren, gebe meine Macht ab, werde kämpferisch, baue einen imaginären Feind auf, den ich bekämpfe, urteile und verurteile …

Aber es ist eben auch nicht so leicht, zuzusehen, wie wir Menschen diesen wunderschönen Planeten zerstören und gegen die Wand fahren. Man möchte kämpfen, sich auflehnen, die Bösen vernichten, das Gute zurückholen.

Und genau das hält uns im Spiel fest. Was also tun? Friedlich zusehen, wie alles den Bach runter geht? Eher nicht. Wir können aber das Spiel in allem erkennen und die Dunkelheit annehmen, für das was sie ist, ohne sich gegen sie aufzulehnen, sondern im Gegenteil, durch Erkennen aufzudecken und zu integrieren, damit sie sich auflösen kann.

Wenn wir uns gegen die Dunkelheit auflehnen, erschaffen wir ein Feindbild. Diesem imaginären Feind geben wir dadurch Energie und stärken ihn. Angst vor diesem Feind führt dazu, dass wir unsere Macht abgeben und handlungsunfähig sind. Kampf führt zu Unfrieden in uns selber, damit füttern wir unsere eigenen Schattenseiten und die des Systems, machen die Dunkelheit also noch größer.

Was ist also die Herausforderung bzw. die Chance? Unsere Schattenseite anzusehen, uns selber kennen zu lernen, die Täuschung zu erkennen. Wir stellen uns unserer Angst und überwinden sie. Wir stellen uns unserem Hass, unserer Wut, unseren Verletzungen und überwinden sie.

Wenn wir uns gegen die Dunkelheit stemmen, dann bricht sie früher oder später unseren Willen. Es geht also nicht um Widerstand. Es geht um Erkennen, um Annehmen, um Wahrheit und Erkenntnis, und darum, die Täuschung zu überwinden. All das führt zu Frieden. Denn das ist das was letztendlich das Ziel ist, der Frieden mit sich selbst, der Frieden mit all seinen eigenen inneren imaginären Gegnern. Der Frieden mit der Dunkelheit. Keine leichte Aufgabe, aber dafür sind wir hier.

 

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