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Wahrnehmung des Raums


 

19.04.2014: Gestern Abend erhielt ich eine Rundmail mit einem Auszug aus Eckhart Tolles Buch ‚Eine neue Erde: Bewusstseinssprung anstelle von Selbstzerstörung' bzw. der Auszug war aus dem englischen Buch ‚A New Earth: Awakening to your life's purpose' mit eigener deutscher Übersetzung.

In dem Auszug geht es um die Stille des Raums. Ich war allerdings gerade mit einem anderen Thema beschäftigt, so dass ich mich gar nicht richtig für das öffnen konnte, was ich dort las. Ich musste mehrmals lesen, um überhaupt nur ansatzweise zu verstehen, was gemeint war bzw. was ich für mich daraus mitnehmen konnte.

Ich hatte das Buch von Eckhart Tolle vor mehreren Jahren gelesen, konnte mich aber an diese Botschaft überhaupt nicht erinnern. Sie war nicht bei mir hängen geblieben. Als ich heute Morgen aufwachte, passierte dann aber folgendes: Ich hörte ein Flugzeug und anstatt auf den Lärm des Flugzeuges zu fokussieren, stellte ich mir vor, wie dieses Flugzeug ganz klein am weiten Himmel zu sehen ist und der Lärm umgeben ist von Raum und von Weite. Und der Lärm begann, sich in dieser Weite zu verlieren und war nicht mehr relevant.

Später im Supermarkt war es recht voll und die Leute kreuzten ständig die Gänge, durch die ich ging. Ich begann, mir den Raum Z W I S C H E N den Leuten vorzustellen und plötzlich war dieser Raum Z W I S C H E N den Menschen riesig groß. Da war nur noch Raum und niemand war mehr im Weg.

Ich erinnerte mich daran, dass mir ein Physiker einmal erklärte, dass Materie aus im Raum schwingenden Teilchen besteht und der Raum zwischen diesen Teilchen deutlich größer ist, als die Summe der Teilchen selber. Würde man die Teilchen der Erde zusammen nehmen und den Raum entfernen, dann bliebe die Größe einer Apfelsine übrig.

Ich schaute mir die Gegenstände im Zimmer an, den Stuhl, den Tisch und den Raum dazwischen und stellte mir dann vor, wie jedes scheinbar feste Teil ebenfalls diesen Raum in sich trägt.
Diese Übung lässt sich beliebig weiter führen, indem man sich z.B. den Raum um seine Gedanken herum vorstellt, oder auch um Ereignisse herum, die man wahrnimmt.

Ich hatte davon gehört, dass es Naturvölker gibt, deren komplette Wahrnehmung so aufgebaut ist, dass der Fokus in den Raum und nicht auf die Form oder die Sache geht. Damit entsteht eine völlig neue Perspektive des Seins.
Nachdem ich nun einen Vormittag mit diesen Übungen gespielt hatte, gefiel mir der Ansatz.

Allerdings hatte ich das Gefühl, noch viel mehr Übung zu brauchen, um diesen Ansatz sinnvoll anwenden zu können und meine Herausforderungen weiterhin zu meistern. Denn ich tendierte dazu, aus Schwierigkeiten einfach auszutreten, indem ich nicht mehr auf die Schwierigkeit, sondern auf den Raum darum herum fokussierte. Die Schwierigkeit verliert sich dann. Das ist einerseits sehr praktisch und in bestimmten Situationen durchaus angebracht, andererseits sollte diese Methode nicht dazu verwendet werden, die Dinge zu verdrängen, die gelöst werden wollen.

Vor dem Hintergrund aber, dass ich nun also einige Erfahrungen zu dem Thema gesammelt hatte, fiel es mir leichter, zu erahnen, was mit dem Auszug aus Eckhart Tolles Buch gemeint sein könnte. Hier der Auszug aus dem Buch "Eine neue Erde", den ich per Mail erhalten hatte, frei ins Deutsche übersetzt:
Die Stille des Raums von Eckhart Tolle
Wenn du nicht länger vollständig mit Form identifiziert bist, dann wird Bewusstsein - also das, was du bist - sich vom Gefängnis der Form befreien. Diese Freiheit ist die Entfaltung von innerem Raum. Sie kommt als Stille, ein subtiler Frieden tief in dir, sogar im Angesicht von etwas scheinbar Schlimmen.

Auch das wird vergehen. Plötzlich ist da Raum um das Ereignis herum. Außerdem ist dann da Raum um die emotionalen Höhen und Tiefen herum, sogar um Schmerzen. Und vor allem ist dort Raum zwischen deinen Gedanken. Und aus diesem Raum heraus entsteht Frieden, der ‚nicht von dieser Welt' ist, denn die Welt ist Form und Frieden ist Raum. Das ist der Frieden Gottes.

Nun kannst du dich an den Dingen dieser Welt erfreuen und sie ehren, ohne ihnen eine Wichtigkeit oder Bedeutung zu geben, die sie nicht haben. Du kannst teilhaben am Tanz der Schöpfung und aktiv sein, ohne vom Ergebnis abhängig zu sein und ohne unvernünftige Forderungen an die Welt zu stellen, wie: Erfülle mich, mach mich glücklich, gib mir das Gefühl von Sicherheit, sag mir, wer ich bin.

Die Welt kann dir diese Dinge nicht geben und wenn du nicht länger solche Erwartungen hast, dann kommt alles selbst kreierte Leid zu einem Ende. All dieses Leid kommt aus der Überbewertung der Form und der Unwissenheit über die Dimension des inneren Raumes.

Wenn diese Dimension in deinem Leben präsent ist, dann kannst du dich an Dingen, Erfahrungen und den Wonnen der Sinne erfreuen, ohne dich in ihnen zu verlieren, ohne innere Anhaftung an sie, also ohne dich von der Welt abhängig zu machen.

Die Worte ‚Auch das wird vergehen' sind Zeiger in Richtung Realität.
Das Zeigen auf die Vergänglichkeit aller Form hat zur Folge, dass wir auch auf die Ewigkeit verweisen. Nur das Ewige in dir kann das Vergängliche als Vergänglich erkennen (Ende Auszug).

20.04.2014: Tag 2 des Experimentes. Der Fokus liegt im Raum zwischen den Dingen. Als ich aufwachte, blieb ich eine Weile in dieser Phase, die noch ein wenig verschlafen ist, in der sich so langsam der Übergang zum Wachwerden andeutet. Diese Zeit ist sehr wertvoll, denn unser Bewusstsein erinnert sich noch an den Schlaf und verhält sich ein wenig anders als im kompletten Wachzustand.

Als ich also noch ein wenig vor mich hin döste, stellte ich mir beim nächsten Flugzeug wieder den Raum zwischen den Dingen vor und als das Flugzeug vorüber geflogen war und Stille einkehrte, weitete dieser Raum sich zu einer Unendlichkeit aus, in der das Gefühl von unendlicher Freiheit entstand. Ich hatte den Eindruck, das ist jetzt der Zustand, in dem ich bleiben möchte, ich muss nichts weiter in meinem Leben erkennen, ich bin angekommen.

Allerdings war der Zustand nicht von Dauer und ich musste ein wenig ernüchtert feststellen, dass das Leben weiter ging, so wie es sich mir bisher gezeigt hatte, allerdings nun mit dem Unterschied, dass eine neue Erfahrung hinzugekommen war, die eine enorme Bereicherung darstellt. Denn wenn ich nun im Laufe des Tages mir des Raums gewahr werde, dann kann ich mich zusätzlich an diese Unendlichkeit, an dieses Gefühl der Befreiung erinnern. Es hat sich in meinem Unterbewusstsein verankert und ist fortan mein Begleiter. Meine Wahrnehmung wird ein Stück weit von dieser Erfahrung verändert.

So saß ich dann beim Frühstück und aß genüsslich mein Müsli. Ich muss dazu sagen, dass ich dieses Müsli geschenkt bekommen hatte. Plötzlich stieg ein Gefühl der inneren Freude und Dankbarkeit in mir auf, denn ich hatte für dieses Essen nichts weiter tun müssen, als es zuzubereiten, es war, als wenn ich es direkt von Mutter Erde geschenkt bekommen hätte.

Ich hatte plötzlich das Gefühl, eine Lüge deckt sich auf. Sollten wir nicht das, was wir an Nahrung zu uns nehmen, von Mutter Erde nehmen dürfen? Ist die Schöpfung nicht so gedacht, uns das zur Verfügung zu stellen, was wir zum Leben brauchen? Gibt uns nicht die Natur alles dazu, wie Luft, Wasser, oder Nahrung? Wenn dem nicht so wäre, dann hätten unsere Vorväter nicht überleben können. Aber warum ist das bei uns plötzlich anders? Wer hat uns denn belogen und gesagt, dass das, was Mutter Erde uns zur Verfügung stellt, uns gar nicht gehört? Wer hat uns belogen und gesagt, wir müssen uns das hart erarbeiten, was wir zum Leben brauchen?

Damit hatte sich in mir ein tief sitzender Irrglaube gelöst, der besagt, wir müssen eine Gegenleistung dafür erbringen, dass wir auf diesem Planeten leben und atmen dürfen. Passend dazu war mir kurz zuvor eklatant aufgefallen, wie schwer mir das Einatmen fiel. Das Einatmen hat damit zu tun, inwiefern wir uns erlauben, das Leben und damit die Lebenskraft in uns aufzunehmen. Dieser Irr-Glaubenssatz "Ich muss mir das Leben erst verdienen, um es leben zu dürfen", hatte mir den Atem eingeschnürt.

Das Puzzle dieses Vormittages begann, sich mehr und mehr zusammen zu setzen. Zunächst dieses Gefühl von Freiheit und Weite, dann die Beklemmung beim Einatmen, dann die Dankbarkeit für das geschenkte Leben, dann die Realisierung der Lüge, die den freien Fluss des Lebens verhindert. Und am Morgen hatte ich darum gebeten, nicht nur den höchst möglichen Weg für den Tag zu gehen, sondern auch die Erkenntnis zu erlangen, warum es der höchst mögliche Weg ist. Nun ja, es war gerade mal Mittag und ich hatte schon unendlich viel erlebt und gelernt.

Vor allem aber, möchte ich das Geschenk des Lebens nun besser annehmen, mir klarer machen, dass die Lüge des Verbotes das einzige ist, was mich daran hindert, es einfach zu tun. Ich möchte mir nun erlauben, die Fülle des Lebens anzunehmen und mich den Geschenken des Lebens zu öffnen. Noch gelingt es mir nicht immer, aber ich werde es weiter beobachten und den Raum geben, den es braucht, um sich zu entwickeln.

Eine weitere Nebenwirkung der Übung, mir mehr und mehr des Raums gewahr zu werden, liegt darin, dass die Aura um die Formen herum von Zeit zu Zeit wieder stärker in meine Wahrnehmung rückt. Manchmal erkenne ich die Energie und das Aufflackern um die Gegenstände herum, weil mein Fokus nicht auf dem Gegenstand, sondern auf dem Raum um den Gegenstand herum liegt.

Dieser Effekt blitzte heute Morgen ebenfalls wieder auf, ohne, dass ich ihn bewusst herbeigeführt hatte. All die Erlebnisse, die ich bereits mit den Übungen hatte und meine Intention, das nun erleben zu wollen, lassen mein Unterbewusstsein automatisch mehr und mehr in diesen Zustand gehen. Sehr interessantes Experiment.

 

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