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Wohin mit der Empörung?


 

28.04.2014: Vom Reichtum zur Empörung. Der Übergang passt jetzt gar nicht, war aber das Thema dieses Tages und wird somit an dieser Stelle aufgegriffen. Ich hatte mir tags zuvor ein Interview mit einem Historiker angesehen und im Anschluss daran war meine Empörung groß. Nicht über das Interview, sondern darüber, was ich erfahren hatte, nämlich wie sich die Bundesrepublik Deutschland an den Angriffskriegen dieser Welt beteiligt. Außerdem, wie wir im Fall von 9/11 hinters Licht geführt werden und einiges mehr.

Was bleibt nach so einem Interview? Da ist eine innere Empörung, eine innere Wut, ein Drang, die Welt verändern zu wollen, allen Menschen davon zu erzählen, was einem gerade enthüllt worden ist. Man denkt, das müssen doch alle wissen, da müssen wir doch endlich etwas tun, da müssen wir endlich aufstehen und sagen ‚es ist genug, ich lasse das mit mir nicht mehr machen'.

Aber was passiert wirklich? Wir erreichen die Menschen nicht, es ändert sich scheinbar gar nichts und wir fühlen uns hilflos. Alles geht seinen Gang und die Menschen lassen sich weiter hinters Licht führen … so geht das nun schon seit Jahrhunderten, nicht erst jetzt, wo mehr und mehr der Lügen aufgedeckt werden.

Manche Menschen kämpfen schon ihr ganzes Leben um mehr Aufklärung, darum, mehr Wahrheit ans Licht zu bringen. Ich bin manchmal erstaunt, worauf manche Menschen bereits vor 10, 20 oder mehr Jahren in Büchern oder Videos hingewiesen haben. Ich selber habe seinerzeit nichts von alledem mitbekommen, obwohl es bereits Menschen gab, die Manipulationen und Lügen aufdeckten. Es fand nur keine Beachtung in der breiten Masse der Menschen.

Aktuell lässt sich allerdings schon eine Tendenz zum Aufwachen der Massen erkennen, mittlerweile gibt es den Begriff Whistleblower, immer mehr Menschen können und wollen in bestimmten Umfeldern nicht mehr funktionieren, mehr und mehr kommt zum Vorschein. Und trotzdem brodelt es in mir, wenn ich wieder eine dieser empörenden Geschichten über Lug, Betrug und Intrigen höre und scheinbar niemand etwas dagegen tun möchte.

Manchmal gelingt es mir, mich wieder zu beruhigen und meinen Weg beharrlich weiter zu beschreiten und manchmal fühle ich mich einfach nur hilflos. Ich möchte diesen wunderschönen Planeten so gerne vor dem Einfluss unserer zerstörerischen Lebensweise schützen, aber ich weiß nicht wie.

All meine Rufe, alle meine Schreie, all meine Versuche, Dinge zu erklären, scheinen abzuprallen an den Menschen. Egal, wie ich es versuche, ob in Form von Empörung, in Form von energetischen Meditationen, in Form von Erfahrungsberichten, in Form von Büchern, ich habe das Gefühl, niemanden zu erreichen.

Dann ziehe ich mich wieder zurück, versuche meine eigene Mitte wiederzufinden und die Kraft aus der inneren Ruhe zu schöpfen.

Dieser Kreislauf wiederholt sich momentan. Empörung, Aktivismus, Ruhe, innerer Frieden, Empörung usw. Einerseits ist dort die Erkenntnis, inneren Frieden zu finden und zu üben, diesen zu bewahren, egal, was im Außen passiert, aber da ist auch dieses Verlangen, etwas verändern zu wollen.

Wenn ich in meiner Ruhe bin und aus meiner Mitte komme, dann ist es jedoch sicherlich einfacher auf meine innere Stimme zu hören. Wie immer ist es so, dass meine innere Stimme mich wissen lässt, wann ich aktiv zu sein habe und wann ich passiv bleiben soll.

Offensichtlich dienen diese emotionalen Kreisläufe dazu, mich dahin zu bringen, zwar die Informationen aufzunehmen, die Lügen zu entlarven, aber dennoch sehr schnell wieder in meine Mitte zu kommen, um aus einer tiefen Ruhe heraus aktiv zu werden, wenn es denn dann an der Zeit ist.

Ich kann ja gar nicht wissen, was der große Plan ist, was das kollektive Bewusstsein sich als Erfahrung wünscht. Jedoch erlebe ich momentan Zeiten, die mich hin und her reißen. Einerseits heißt es, werde aktiv, setze dich für die Rettung des Planeten ein, andererseits heißt es, finde zuerst deinen inneren Frieden, sonst kannst du diesen nicht nach außen tragen usw.

Ist dies normal in einer Zeitenwende? Liegt es daran, dass wir mit dem einen Bein noch in der alten Welt stehen und mit dem anderen bereits in der neuen und ständig hin und her gerissen werden?

Viele Fragen, die ich mir derzeit noch nicht beantworten kann. Aber es hilft, mich zu beruhigen und zu meiner Mitte zurückzufinden, wie empörend auch immer sich die entlarvten Lügengerüste darstellen. Mehr und mehr Wahrheit wird ans Licht kommen. Wahrscheinlich wird es mir noch oft so gehen, dass ich einfach nur wütend und empört darüber bin, was wir bisher mit uns haben machen lassen. Ich sollte Wege finden, Ventile finden, für diese Emotionen und mich nicht so sehr von ihnen beherrschen lassen.

Wenn wir auch scheinbar zunächst niemanden erreichen, so entstehen doch mittelbar energetische Felder der Wahrheit, die sich mehr und mehr ausdehnen. Wir werden die kritische Masse erreichen und dann kommt der Bewusstseinssprung, auch wenn ich derzeit sehr häufig verzweifelte Ungeduld in mir beobachte. Aber auch das ist eine wertvolle Erfahrung, die gemacht werden will.

Anmerkung: Nachdem ich über die Empörung geschrieben hatte, fand ich in den Vorträgen von Anthony de Mello zum Thema Rediscovering Live (Wiederentdeckung des Lebens) noch eine weitere Möglichkeit, sich mit Reaktionen wie Empörung, Ärger, Wut, Ängstlichkeit usw. auseinander zu setzen: Wenn wir uns klar machen, dass wir programmiert bzw. trainiert sind, auf bestimmte Ereignisse genauso zu reagieren, wie wir das üblicherweise tun, dann haben wir die Möglichkeit, unsere Reaktion zu verändern.

Dazu müssen wir natürlich erst einmal erkennen, dass wir programmiert sind, in dem Moment, in dem wir reagieren. Das bedeutet aber wiederum, es ist erforderlich präsent zu sein. Ich muss also merken, wenn ich beginne mich zu ärgern, statt mich darin zu verlieren. Allein die Tatsache zu wissen, dass wir quasi auf Knopfdruck mit bestimmten Reaktionen antworten, führt dazu, dass wir das in dem Moment nicht mehr tun müssen.

Übliche bzw. trainierte Verhaltensmuster sind z.B. folgende: Wir sind verletzt, wenn uns jemand zurückweist. Wir sind traurig, wenn uns jemand verlässt. Wir sind wütend, wenn uns jemand vor den Kopf stößt. Wir sind empört, wenn wir belogen werden usw.

Aber müssen wir wirklich so reagieren? Wenn wir z.B. in einer Schlange stehen und es drängelt sich jemand vor. Sollen wir denjenigen darauf hinweisen, dass er sich falsch verhält? Ja, warum nicht? Sollen wir uns aber darüber aufregen? Sollen wir unseren Blutdruck erhöhen, innerlich kochen und uns selber Schaden zufügen? Sollen wir uns selber dafür bestrafen, dass ein anderer etwas Unrechtes tut? Welche Logik steckt dahinter, uns selber dafür zu bestrafen, wenn wir doch unschuldig sind? Außerdem stellt sich die Frage, ob wir wirklich besonnen handeln, wenn unser Handeln aus z.B. Wut oder Ärger heraus geschieht. Ggf. machen wir dadurch die Dinge eher schlimmer als besser.

Es sagt niemand, dass wir nichts tun sollen, nur es geht eben nicht darum, seine Kraft im Ärger zu vergeuden. Wenn ein Unrecht geschieht, dann ist das bereits eine Misere. Wenn wir uns aber darüber aufregen, dann kommt eine zweite Misere hinzu. Wäre es nicht besser, die erste Misere zu beseitigen, ohne eine weitere hinzuzufügen?

Wenn also in einem Moment z.B. Ärger, Wut, oder Traurigkeit, oder was auch immer über ein Ereignis oder eine Person in uns aufkommt, dann kann es hilfreich sein, sich genau dann daran zu erinnern, dass wir programmiert sind mit diesen Gefühlen zu reagieren. Wenn wir dann in die Beobachtung gehen, dann folgt ein Innehalten und durch die Realisierung lösen sich diese Gefühle auf.

Es gibt also viele Möglichkeiten, wie man sich verhalten kann. Manchmal ist es notwendig, alles zu fühlen, was sich zeigt. Manchmal müssen Blockaden gelöst werden und manchmal ist das gar nicht nötig, denn durch das Erkennen der Programmierung löst es sich gleich auf. Unabhängig davon kann es sein, dass wir in Aktion treten, um eine Situation zu verändern oder nicht. Das bedeutet aber nicht, dass wir uns deshalb vorher aufregen müssen.

Im Umkehrschluss gilt allerdings bei uns auch, dass man glaubt, Leute in Aufregung versetzten zu müssen, damit sie sich bewegen. Das kann in manchen Fällen durchaus so sein, es kann aber auch dazu führen, dass die gesamte Energie der Menschen nicht in der guten Tat, sondern in der Empörung und Aufregung landet und damit im besten Fall verpufft, im schlechtesten Fall Schaden anrichtet, statt zu verbessern.

 

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