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Gefühlsblockaden


 

06.05.2014: Es gibt in meinem Leben bestimmte Personen, die bringen mich immer wieder zur Weißglut. Manchmal sind das auch Ereignisse, die schon lange zurück liegen. Wenn ich mich dann wieder daran erinnere, dann rege ich mich über die Person auf, die mich wütend gemacht hat. Ich hadere mit diesem Menschen, mache Vorwürfe, klage an, beurteile, verurteile und so weiter und so weiter … Kurz, ich verstricke mich darin, den Trigger meiner Wut immer wieder zu verwünschen und dieser Person mal richtig die Meinung geigen zu wollen.

Das kann in manchen Fällen hilfreich und sehr nützlich sein. Auf einem Heilertag erzählte uns die Heilerin von einer Klientin. Ihr Mann hatte sie mit seiner Sekretärin über Monate betrogen. Die gesamte Firma wusste davon, nur sie war die Letzte, die es irgendwann erfuhr.

Die Klientin wollte ihrer Wut und Empörung Luft machen, indem sie ihrem Mann in der Firma, vor allen Leuten eine Szene macht, inklusive der Sekretärin. Nun kann man geteilter Meinung sein, ob das eine geeignete Maßnahme ist. Als die Heilerin jedoch über das höhere Selbst der Frau abfragte, hieß es, es sei genau das richtige und sie solle das unbedingt tun. Da nun das höheres Selbst dieser Ansicht war, blieb der Heilerin nichts anderes übrig, als die Klientin in ihrem Vorhaben zu bestätigen. Sie machte sich also Luft und ließ es im Büro krachen.

Im Nachhinein betrachtet wäre es für diese Frau wahrscheinlich sehr schwierig geworden, wenn für ihre starken Emotion kein Ventil dagewesen wäre. Hätte sie ihre Wut in ein Kissen geschrien oder einen Box-Sack geprügelt, dann hätte es wahrscheinlich viele Jahre gedauert, um diese angestaute Gefühlsblockade zu lösen.

Manchmal ist es also wichtig, Emotionen nicht zu schlucken und stattdessen Ventile zu finden. Hilfreich ist sicherlich, das in Abstimmung mit dem eigenen höheren Selbst zu tun, um die beste Möglichkeit zu finden.

Manchmal hat man diesen Zeitpunkt verpasst, eine Reaktion zu zeigen, vielleicht weil man zu überrascht war, weil man zu ängstlich war, weil man in der Situation keine Idee hatte, wie man seiner Wut ein Ventil hätte geben können.
Dazu kann man sich dann vorstellen, wie man in seiner Fantasie in die Vergangenheit geht, die Situation noch einmal aufleben lässt und dann mit dem Wissen von heute, einfach mal alles rauslässt, was man in der Situation eigentlich hätte sagen wollen. Auch die andere Person mal richtig zurechtweisen, so dass angestaute Emotionen sich befreien können.

Wenn es sich um Situationen aus der Kindheit handelt, dann kann man sich vorstellen, als Erwachsener zusammen mit seinem inneren Kind noch einmal in diese Situation zu gehen, das Kind in Schutz nehmen und die andere Person zurechtweisen. Danach eventuelle noch bildlich das innere Kind in den Arm nehmen und es wissen lassen, dass es geliebt ist.

Das sind einige Möglichkeiten, wie sich angestaute Emotionen lösen lassen. Allerdings gibt es verschiedene Stadien von angestauten Emotionen, manchmal ist es wichtig, ein Ventil zu finden, manchmal braucht es noch eine Lösung mit anderen Personen oder Situationen und manchmal ist es einfach so, dass es gar nicht mehr auf die Person ankommt, die gewisse Emotionen in uns triggert, sondern darauf, die Triggerpunkte zu entfernen.

Wenn es darum geht, die Triggerpunkte zu entfernen, ist es sehr hilfreich, das Ereignis, welches eine starke Emotion in uns hervorruft, wie Wut, Verletzung, oder Angst von der Emotion zu entkoppeln. Es macht dann wenig Sinn, sich stundenlang über die Person aufzuregen, die uns verletzt hat, das können wir tun, aber wir sind dann sehr lange in unserem Schmerz gebunden, ohne wirklich eine Lösung herbei zu führen.

Es geht nicht immer um Wut, es können auch andere Emotionen sein, wie z.B. Trauer. Wenn wir einen geliebten Menschen durch Tod verloren haben, dann bringt der Gedanke an diesen Menschen ggf. immer wieder das Gefühl der Trauer in uns hervor.

Wenn es uns aber gelingt, das Ereignis, also den Tod dieses Menschen von unserer Trauer zu lösen, und uns die Trauer separat anschauen, dann haben wir die Möglichkeit sie zu transformieren, sie anzuschauen, sie zu fühlen, sie wahrzunehmen, sie da sein zu lassen und dadurch letztendlich gehen zu lassen. Wenn wir dann an die geliebte Person denken, dann ist da keine Trauer mehr, weil wir dieses Ereignis von der Emotion entkoppelt haben und die Emotion transformiert haben.

Die Entkopplung funktioniert auch mit anderen Emotionen, wenn uns z.B. jemand sehr wütend macht, dann könnte man diese Wut von der Person entkoppeln und sich lediglich diese Wut ansehen.

Es gibt Methoden, um Gefühlsblockaden zu lösen, von denen ich eine vorstellen möchte: Dazu halte man den Zeigefinger der rechten Hand kurz unter das Dreieck des Brustkorbes, also im Solarplexusbereich und lege den Mittelfinger über den Zeigefinger. Mit der anderen Hand lege man den Zeigefinger kurz vor das linke Ohr in Höhe des Ohrlochs, dort befindet sich vor dem Ohr ein kleiner Hügel. Der Mittelfinger liegt wieder auf dem Zeigefinger. Das sind Akkupunkturpunkte, die zur Lösung der Gefühlsblockaden hilfreich sind.

Dann wird das Wort für die Emotion wie in einem Mantra einige Minuten lang wiederholt, z.B. Wut, Wut, Wut, Wut … Bei dieser Übung ist der Trigger nicht mehr relevant, sondern nur die Emotion, die komplett ausgelebt wird. Meistens kommen bei der Übung dann noch einmal Bilder von Ereignissen, die wir mit der Emotion verknüpfen.

Mir geht es so, dass ich mich nach dieser Übung sehr erleichtert fühle. Meine Wut auf ein Ereignis oder eine Person ist dann nicht mehr vorhanden. Allerdings ist es nicht damit getan, diese Übung einmal gemacht zu haben. Es ist vielmehr ein Werkzeug, welches wir anwenden können, wann immer wir uns starken Emotionen ausgesetzt fühlen.

Es nicht so, dass wir einmalig alles lösen und danach glücklich und unbeschwert, ohne Herausforderungen durchs Leben wandern. Unseren Lektionen werden wir nicht ausweichen können, aber wir können die Art und Weise verändern, wie wir damit umgehen, indem wir mehr Möglichkeiten zur Verfügung haben.

 

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