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Sinn des Lebens


 

21.05.2014: Es gibt Situationen im Leben, in denen die Sinnfrage gestellt wird. Allerdings habe ich noch von niemandem eine allumfassende, allgemeingültige, greifbare Antwort auf diese oder ähnliche Fragen bekommen.

Warum muss ich sterben? Warum lebe ich? Warum bin ich hier? Warum sind die Umstände so wie sie sind? Warum muss ich leiden? Warum habe ich Schmerzen? Warum verliere ich liebe Menschen? Warum gibt es Krieg? Warum gibt es Umweltverschmutzung? Warum hassen sich die Menschen? Warum hat Gott das geschaffen? Wer ist überhaupt Gott? Warum gibt es die Dunkelheit? Usw.

Es gibt sicher viele Antworten auf diese Fragen und je nach Situation auch solche, mit denen wir uns zufrieden geben, oder wir denken einfach nicht mehr über die Fragen nach.

Aus meiner Erfahrung ist es so: Wenn wir in unserer Mitte sind, ausgeglichen sind, gut geerdet sind, tiefen Frieden und Zufriedenheit in uns fühlen, und auch nach oben gut angebunden sind, dann stellt sich keine Sinnfrage. Für mich taucht die Sinnfrage eher in solchen Situationen auf, wenn ich unzufrieden bin, wenn ich Angst habe, wenn ich mutlos bin, oder wenn ich keine befriedigende Zukunft sehe.

Es geht dann also nicht darum, die Frage nach dem Sinn zu beantworten, sondern erstmal das Gefühl von Nicht-Sinn da sein zu lassen, es anzunehmen, es zu erkennen, sich hinein fallen zu lassen und dadurch herauszufinden, was in dem Moment wirklich hinter dem Gefühl von Nicht-Sinn steckt.

Ist es vielleicht Angst oder Verzweiflung? Mir persönlich hilft es also, in dem Moment nicht nach einer Antwort der Frage zu suchen, sondern im Gegenteil, die Ursache für das Gefühl von Nicht-Sinn zu erkennen und dadurch loslassen zu können. Der Sinn liegt darin, all das zu erfahren, was wir erfahren, während wir auf der Erde sind, auch das Gefühl von Nicht-Sinn, welches wir hinter uns lassen können, wenn wir es annehmen.

Viele von uns tendieren dazu, Emotionen wegzudrücken, wenn sie unangenehm sind, statt sich mit ihnen anzufreunden. Anfreunden, nicht im Sinne von festhalten, sondern im Sinne von kennenlernen und loslassen. Loslassen der Angst vor unangenehmen Emotionen, feststellen, dass die unangenehmen Emotionen gar nicht von Dauer sind, sondern wahrgenommen werden wollen, genauso wie das, was wir als positive Emotion empfinden.

Wenn wir es schaffen aus der Wertung auszusteigen und jede Emotion einfach nur beobachten und betrachten, dann gibt es keine Verurteilung unserer Emotionen. Natürlich bewerten wir sie, manche empfinden wir als angenehm und andere nicht so. Aber selbst bei den angenehmen Emotionen ist es so, dass sie nicht permanent da bleiben, sie zeigen sich, wir freuen uns wie Hulle und dann gehen sie wieder.

Genauso ist das mit Angst, Wut, Trauer, Schmerz und dergleichen, die zeigen sich, wenn wir sie zulassen und gehen dann auch wieder. Sie gehen dann wieder, wenn wir aufhören sie zu verdrängen und wegzuschieben. Durch Verdrängung gehen sie eben nicht, dann sind sie unterschwellig immer da und wollen wahrgenommen werden. Je mehr wir sie verdrängen, umso heftiger wehren sich diese Emotionen irgendwann dagegen und drängen an die Oberfläche. Vielleicht gelingt es uns, sie für eine Zeit unter den Teppich zu kehren, aber irgendwann passiert wieder etwas in unserem Leben, was den Teppich verschwinden lässt und dann sind sie wieder da und wollen wahrgenommen werden.

Ich behaupte nicht, dass sich aus unseren Emotionen keine Handlungen ableiten sollen. Wenn eine Situation unerträglich ist und ich die Möglichkeit habe, sie zu ändern, dann ändere ich sie. Dazu ist es aber hilfreich, zu spüren, was mich innerlich bewegt, um die wahre Ursache zu erkennen und eine Lösung zu finden.

 

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