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Der Jogger


 

Ein Jogger läuft seine Runden in seinem Tempo. Dann überholt ihn jemand. In dem Moment merkt der Jogger, wie ihm das Laufen plötzlich immer schwerer fällt, weil der andere so viel schneller ist als er, obwohl er sich schon sehr anstrengt. Dann sagt er sich: "Es ist doch nicht schlimm, dass der andere schneller läuft, ich laufe mein Tempo, ich muss kein Rennen gewinnen. Mein Ziel ist ein anders als seines, ist schon in Ordnung, wenn er mich überholt."

Was ist hier jetzt passiert? Dieser Jogger spürt eine Empfindung in sich, findet aber rationale Gründe, warum diese Empfindung gar nicht da sein dürfte.

Er könnte stattdessen auch etwas anderes machen und seine Empfindung einfach da sein lassen, ja, sie sogar richtig groß werden lassen, um sie genau beobachten und wahrnehmen zu können.

Statt sich also einzureden, wie er sich zu fühlen hat, könnte er mal hineinspüren, wie er sich tatsächlich fühlt.
Wenn der Jogger nun also in diese Empfindung eintaucht, was könnte sich dann zeigen? Zunächst nimmt er wahr, dass ihm das Laufen plötzlich sehr schwer fällt, sich eine Niedergeschlagenheit zeigt und daraus Gedanken aufkommen wie "andere sind besser als ich, andere sind schneller als ich, ich bin schlecht, ich bin nichts wert …"

Und es kann weiter gehen, ggf. zeigen sich sehr tiefe Verletzungen, vielleicht erinnert der Jogger sich an Kindheitserlebnisse, die ihn geprägt haben und ein simples überholt werden beim Joggen triggert diesen uralten Schmerz.

Solange wir unsere Empfindungen rational weg schieben, werden diese Trigger uns immer wieder treffen. Durch bewusstes Empfinden und Zulassen, kommen wir wieder an den Ursprung der Verletzung heran und sie kann sich auflösen.

Plötzlich sind dann die 100 Dinge, die uns immer irgendwie gestört haben, alle auf einmal gar nicht mehr relevant, wenn das Urerlebnis erkannt und gelöst wurde. Oft reicht die Erkenntnis, das Zulassen, oder das Hinein-Spüren, also der achtsame Umgang mit den eigenen Empfindungen zur Lösung bereits aus.

 

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